Pressespiegel

 
  
 
 
 
 

 
 
INTERKULTURELLE  AKTIVITÄTEN / Das Alternative Theater Göttingen kämpft für Integration 
       

 

Göttinger Tageblatt / Sonnabend, 31.Januar 1998
                                                
Nicht Anpassung, sondern Verständigung
Von Joachim F.Tornau

     

 

Gesellschaftspolitischer Anspruch statt bildungsbürgerlicher Hochkultur, Selbstdarstel-lung und Selbstreflexion statt professioneller Inszenierung: Das Alternative Theater Göt-tingen“, kurz ATG, das sich jüngst im Rahmen des Orient-Forums im Foyer Internationa-ler Begegnung vorstellte, verbindet nur wenig mit einem etabliertherkömmlichen Schauspielbetrieb. Sechs Stücke hat das ATG seit 1992 auf die Bühne gebracht, alles Auseinandersetzungen mit der Situation von Migrantinnen und Migranten in der Bundesrepublik, dargestellt von der interkulturellen Theatergruppe, in das Herz des ATG bildet.

Eigene und fremde Kulturen

Vor allem Deutsche und Türken, aber auch Spanier oder Italiener sind es, die sich auf Initiative und unter der Leitung von Ebru und Ergün Tepecik (beide aus der Türkei stammend, seit vielen Jahren in Deutschland lebend) zusammenfinden, um dem rassistischen Diskurs und der chauvinistischen Ignoranz in der Bundesrepublik ein kulturelles Gegengewicht zu verschaffen. Doch es sollen nicht nur die Probleme von Ausländerinnen und Ausländern, über das Theater in die Öffentlichkeit getragen werden, sondern es soll auch in einem allgemeinen Sinne ein Nachdenken über eigene und fremde Kulturen angeregt werden – sowohl beim Publikum als auch (und keineswegs) bei den Mitgliedern der Theatergruppe selbst.
„Man erreicht nichts, wenn man immer nur die Opferrolle spielt“, sagt Ebru Tepecik. Selber kämpfen, die eigene Sache selbst in die Hand nehmen, aber auch selbstkritisch und zur Öffnung bereit sein – nur so sei die dringend notwendige Integration in die deutsche multikulturelle Gesellschaft möglich. Nicht Anpassung müsse das Ziel sein, sondern Verständigung.

Soziokulturelle Integration

Denn erst wenn sich in den Köpfen der Menschen, der Deutschen wie der Nichtdeu-tschen, etwas verändert  habe, wenn die soziokulturelle Integration vorankommen sei, könne auch der Druck erzeugt werden, der für politische Integration und Gleichbe-rechtigung nötig ist. Den Kampf dafür hat sich das ATG auf seine Fahnen geschrieben.

  Menschenbilder aus einer Stadt    
         
  1. Göttinger Tageblatt / Donnerstag, 29.Oktober 1992

  2. Suche nach Gerechtigkeit / türkisches Theater im JT
    Von Sabine Bieber

       

 

„Sie werden kein Wort verstehen.“ So begrüßte Ergün Tepecik die Zuschauer zu seinem Theaterstück „Der Mann, der die Gerechtigkeit sucht“, mit dem er im Jungen Theater gastierte. So mussten  sich die nichttürkischen Zuschauer zunächst ganz auf ihre optischen Eindrücke verlassen: Ein Strassenhändler mit Bauchladen, der Schuhputzer Burhan, der vergeblich auf Kundschaft wartet. Ein schmieriger Typ taucht auf, der herrisch mit den anderen umspringt: Saban. Dazu kommt ein Mann mit Tirolerhut und einem Koffer, der ihm von Saban gestohlen wird. Zwei einfältige Bauern von Gaunern beim Kartenspiel  um ihr Geld gebracht. Ein Mann scheint etwas zu suchen und ruft immer „Adalet, Adalet“. Eine hilfreiche Erklärung für die deutschen Zuschauer gab es leider erst nach dem ersten Akt. Tepeciks Theaterstück „Der Man, der die Gerechtigkeit sucht“ entstand nach seiner gleichnamigen Humoreske, die zusammen mit anderen Kurzprosa- Stücken  in Tepeciks Band „Der Heiratsvermittler“ nachzulesen ist. Im Rahmen der deutsch-türkischen Kulturtage in Göttingen spielte eine Theatergruppe des Internationalen Bundes für Sozialarbeit (IB).Das Stück setzt sich kritisch mit der Situation in der Türkei während des Goldkrieges auseinander. Arme Bauern kommen in Hoffnung auf Arbeit in die Stadt, werden dort aber betrogen und um Schutzgelder erpresst. Auch die aus Deutschland zurückgekehrten „Deutschländer“ haben kein Glück. Politischen Opposition scheint unmöglich, ein einfacher Menschenauflauf  wird als unangemeldete Demonstration ausgelegt, die Teilnehmer finden sich im Gefängnis unter Korrupten Beamten wieder. Durmus ist auf der Suche seiner Frau Adalet. Adalet bedeutet auf  Türkisch auch Gerechtigkeit. Alle wollen Adalet, doch keiner findet, was er sucht. Die angeblichen Demonstrationsteilnehmer  landen im Gefängnis, Durmus im Irrenhaus. „Was ist mit der Situation in diesem Land?“ fragt der Inspektor. Der Wärter antwortet: „Es gibt keinen Zwischenfall, alles in Ordnung.“ Tepecik und seine Leute sehen das anders.

  Der Mann der die Gerechtigkeit suchte    
         
  1. Göttinger Tageblatt / Sonnabend, 29. Mai 1993

  2. Verzweiflung, Komik
    Von Jörg Kruse

       

 

Ergün Tepecik "Einer von uns", "Hausbesetzung"

Verdächtigungen, Vorurteile und Argwohn gegenüber Ausländer – dies waren die Themen zweier Stücke einer deutsch- türkischen Theatergruppe des Alternativen Theaters Göttingen. „Einer von uns“ zeigte kurz und knapp, wie tief oft selbst in den freundlichen deutschen Nachbarn das Misstrauen hinsichtlich der türkischen Mitbewohner verwurzelt ist. Ein kleiner Anlass genügt, um es an die Oberfläche treten zu lassen. Dann ist selbst der Hoffnungslos versoffene Jugendliche wieder einer von uns (Deutschen), denn eigentlich sind ja die Ausländer daran Schuld, dass es zu nichts bringt… Ungewöhnlicheres trägt sich in „Hausbesetzung“, dem zweiten Stück des Abends (…..) zu. Eine türkische Familie, der die Wohnung gekündigt wird, beschließt kurzerhand, angeleitet vom „Autonomen“ Sohn, ein Haus zu besetzen. Doch dort benutzt zunächst ein Filmteam die ahnungslosen Amateurbesetzer für die cineastische Vision einer faschistischen Machtübernahme – sozusagen Reality-Cinema – und schließlich werden alle Beteiligten von der Wirklichkeit überholt, als das Haus tatsächlich von Rechtsradikalen angegriffen wird. Jedoch bleibt in der leicht chaotischen Inszenierung vieles diffus, denn das Stück wirkt überladen. Dies ist schade, da die Grundidee des Autors viel versprechend ist, nur kommen seine eigentlichen Anliegen nicht klar genug zum Ausdruck. Interessant ist beispielsweise die Herausarbeitung zunehmender Generationskonflikte in türkischen Familien. Leider verlieren sich die guten Ansätze im Getümmel der zahlreichen Akteure auf der Bühne. Zudem karikieren sich Figuren wie der autonome Sohn Hajdar, der selbstverständlich am liebsten vermummt umherläuft, oder die aus unerklärlichen Gründen als Skinheads titulier- ten Film-Faschisten durch ihre völlig oberflächliche Darstellung dermaßen selbst, dass Wichtiges wie die Entlarvung rechter Phrasen als sinnlos und hohl im Wust der Klischees untergeht. Dennoch: Für kurzweilige Unterhaltung sorgten Mustafa Özer mit seinem Quicklebendigen, zwischen Verzweiflung und Komik schwankenden Spiel sowie Orhan Kilic mit einer überzeugenden schauspielerischen Leistung als Familienoberhaupt.

 
Hausbesetzung
   
         
  1. Ankündigung: Junges Theater Göttingen (JT) – September/Oktober 1993

  2. Hausbesetzung von Ergün Tepecik

       

 

Am Sonntag, 31 Oktober, 19 Uhr, zeigt das „Alternative Theater Göttingen“ Hausbesetzung von Ergün Tepecik Das „Alternative Theater Göttingen“ ist eine türkisch-deutsche Theatergruppe, die bereits im Oktober 1992 mit großem Erfolg im Jungen Theater gastierte. Das Stück „Hausbesetzung“ handelt von einer achtköpfigen türkischen Familie, die aus ihrer 2-Zimmer-Wohnung (die natürlich eh viel klein ist) raus muss. Eine neue Wohnung zu finden, erweist sich allerdings als unmöglich -  die Familie besetzt schließlich ein Haus. Man erfährt hier viel über die Konflikte zwischen den Generationen in dieser Familie. In der jüngere modern leben, aber auch die Tradition und die Ältern das Leben bestimmen. Turbulent  setzte Haus als Drehort aussucht – und brenzlig wird es, als Skins das Haus überfallen.     

  Hausbesetzung    
         
  1. Göttinger Tageblatt / Dienstag, 1. November 1994

  2. Reden über die Jungend - Das Alternative Theater im JT
    Von Thorsten Bothe

       

 

Die Aufführung war nicht besonders lang, sie dauerte 50 Minuten. Aber, was wichtiger ist: sie war auch nicht langweilig. Elf in Göttingen lebende Türken, die gemeinsam mit einigen Deutschen das „Alternative Theater Göttingen“ bilden, traten am Sonntag im Jungen Theater auf und spielten das Stück „Menschenbilder aus einer Stadt“ von Ergün Tepecik – halb Kabarett, halb Theater. Die Kulisse zeigte die Schattenseite einer Stadt: ein schmuddeliger Hof, Unrat, Abfallbehälter. Den Müll sollen zwei Frauen wegräumen. Doch sie kommen ins Plaudern: über die verwöhnten, vergnügunssüchtigen (meint Emine) beziehungsweise das Leben genießenden (Renate) Jugendlichen in Deutschland. Emine wird nachdenklich, erinnert sich an ihre Kindheit in der Türkei, wo sie dem Vater bei der Arbeit helfen musste und deswegen keine Freunde fand: „Vielleicht schimpfe ich deshalb auf die Jugend, weil ich selbst keine Jugend hatte.“ Ein Stück Sozialkritik auch am Heimatland. Dann, am frühen Morgen, betreten Geschäftsinhaber die Szene: ein Beamter, eine Polizistin, ein Arbeiter, und zur Zielscheibe der Satire wird zunehmend die deutsche (Ver-)Ordnungswut. Das Müllsortieren zum Beispiel: Eine grüne Flasche in den Behälter für Weißglas geworfen – schon gibt’s 50 Mark Bußgeld. Die Stellfläche des Blumenladens um fünf Zentimeter vergrößert – macht 300 Mark. Leider erlahmte der der Schwung gelegentlich ein wenig, doch schließlich waren hier Laienschauspieler am Werk, die gerade einmal pro Woche üben (für Interessenten: Sonntags, 15 bis 19 Uhr im Bürgerhaus Grone). Und ein Bisschen Nachdenken war ohnehin vorgesehen. Den Zuschauern jedenfalls hat es gefallen.

       
         
  1. Göttinger Tageblatt / Mittwoch, 26. Juni 1996

  2. Alternatives Theater: / Koalition der Unvernunft
    Von Thorsten Bothe

       

 

Die erste Diagnose: der Patient hat zuviel in der Sonne gesessen, soll zukünftig Ozonbildung vermeiden und deshalb nur noch mit Katalysator öffentlich herumlaufen dürfen. Die zweite Diagnose: er ist durchhaus guter Gesundheit und kann daher Problemlos nach Hause zurückkehren. Und die dritte Expertise: da er bei einer Mutprobe versagte, ist von einem Aufenthalt in diesem unseren Lande abzuraten – die notwendige Fähigkeit zur waghalsigen Flucht aus brennenden Zimmern ist nicht vorhanden.

Strapazierte Realität

Reichlich skurril, das alles? Stimmt, in der „Koalition der Unvernunft“ wird die Realität schon etwas strapaziert. Natürlich mit Absicht, denn in dem satirischen Theaterstück von Ergün Tepecik-Sax nimmt die türkisch deutsche Laien-Gruppe „Alternatives Theater Göttingen“ (ATG) die Bürokratie deutscher Ausländerbehörde aufs Korn. Am Montag gastierte der ATG vor rund 60 Zuschauern im Jungen Theater. Ein frisch ins Land gekommener (Selcuk Yücekent) muss sich eine Gesundheitsbescheinigung ausstellen lassen. Das Ärzteteam (Ebru Aydemir, Manuel Vicente und Dirk Westphal) unterzieht ihn reichlich seltsamen Untersuchungen und verknüpft das Ausstellen der Bescheinigung mit absurden Bedingungen. So müssten in der Türkei erst mal Demokratie und Menschenrechte herrschen (äußeres Zeichen: sich unbekleidet sonnende Frau-en), bevor sie das Formular herausrücken würden. So richtig zum Lachen war das alles nicht, die stets meinte man, die zur Ablehnung des Ersuchens vorgebrachten Argumente schon mal irgendwo gehört zu haben. Dass sich die drei „Ärzte“ schließlich als flüchtige Irre entpuppen, die von der Stationsärztin (Heike Müller) mit einem kleinen Trick eingesammelt werden, lässt einem dabei nicht wohler werden.

  Koalition der Unvernunft    
         
  1. Bad Lauterberg / Montag, 9. Dezember 1996

  2. Demokratie als Wertvorstellung
    Von Bad Lauterberg (ag)

       

 

Das Alternative Theater Göttingen gastierte am Samstagabend mit dem Stück „Koalition der Unvernunft“ in der Goldenen Aue. Ein Ausländer, der eine Gesundheitsbescheinigung braucht, muss sich mysteriösen Tests unterziehen und begreifen, wie wichtig die Demokratie in der Gesellschaft ist. Das Stück von Ergün Tepecik – Sax kritisiert den sozial-politischen Umgang zwischen Menschen verschiedenen Kulturen. Ruhi muss sich als türkischer Bürger eine Aufenthaltserlaubnis besorgen. Dazu braucht er eine Gesundheits-bescheinigung. Doch beim Gesundheitsamt gerät er versehendlich in die Hände von drei „Irren“, die aus der Anstalt ausgebrochen sind. Ruhi bemerkt den Wahnsinn der drei nicht und untersicht sich bereitwillig deren seltsamen Untersuchungen, um die Gesundheitsbescheinigung zu erhalten. Die drei „Ärzte“ gehören ebenfalls verschiedenen Nationalitäten an. Doch der deutsche Helmut bezeichnet seine Kollegen Eleni aus Griechenland und Hasan aus der Türkei als Deutsche, da sie seine Ansichten gegenüber Ausländern teilen. Helmut findet immer wieder Dinge, die das Zurückschiecken Ruhis in die Heimat begrün-den. So ist das Nichtbenutzen eines Katalysa-tors ein Grund für die Abschiebung. Als Ruhi in seiner Mutprobe nicht von der Leiter springen will, sieht Helmut auch darin einen Grund, Ruhi nicht in Deutschland bleiben zu lassen, da er in einer Situation wie in Mölln oder Solingen nicht aus dem Fenster springe, um sich zu retten. Doch auch zwischen den drei Ärzten kommt es zu Unstimmigkeiten. Eleni und Hasan kriti-sieren Helmut, da die Deutsche Panzer in den Osten geschickt haben. Diese politisch ironi-schen Konfrontation spiegeln das politische Dilemma unserer Zeit wider. Hasan klärt Ruhi über die Demokratie auf. Nackte Frauen am Strand sind ein Zeichen der Demokratie und der Frauenrechte, und Ruhis Frau müsste das auch tun, um demokratisch (Foto: Ebru Tepecik, manuel Vicente, Cengiz Bozkurt und Dirk Westphal) zu sein. Überhaupt muss sich Ruhi völlig dem westlichen Lebensstil anpassen, um demokratisch zu werden. Auf die Frage, was er unter einem ausländischen demokratischen Bürger versteht, antwortet Ruhi: „Der jenige, der alle Dreckarbeiten annimmt. Der, der seine Steuern bezahlt, sich nicht dem Dienst der Bundeswehr einzieht und der, der mit seiner Arbeit den Ostaufschwung fördert.“ Nach zahlreichen Untersuchungen ist Ruhi völlig am Ende, und ihm sind die Bescheinigung, die Frauenrechte und die Demokratie schließlich egal. Just in dem Augenblick kommt die Irrenärztin und sammelt ihre drei Patienten wieder ein. Sie erkennt, dass Ruhi kein Irrer ist und erklärt ihm, dass die anderen drei aus der Anstalt ausgebrochen waren. Ihr Schlussfazit lautet: „Wir sind doch alle ein wenig Irre, nicht wahr?“ Aber Ruhi ist jetzt selber verrückt geworden und Ruft nur: „Frauenrechte, Demokratie, Bescheinigung“ und lacht beim letzten Wort. Die ironischen und satirischen Anspielungen auf die aktuellen politischen Ereignisse kommen in Tepeciks Stück nicht zu kurz. Christa Clarke-Lieber freute sich über die Beteiligung, doch es wäre schöner gewesen, wenn doch mehr Bad Lauter-berger sich das Stück angesehen hätten, sagte sie.

       
         
  1. Göttingen Tageblatt / Dienstag, 8. April 1997

  2. Die Putzfrauen - Kinderspielzeug und Vernichtungsinstrument
    Von Grone (bab)

       

 

Die Türkin Ayse und die Deutsche Renate, beide Putzfrauen, philosophieren über die Jugend, Politik und das Leben im allgemeinen. In dem Stück „Die Putzfrauen“, das das „Alternative Theater Göttingen“ (ATG) am Sonntag in der Heinrich-Heine-Schule in Grone aufführte, werden Probleme von und zwischen Menschen und Kulturen angesprochen.

„Wir machen Theater von unten“, erklärt Ergün Tepecik, Autor und Regisseur des Stückes. Die gesamte Theatergruppe sei kulturübergreifend aktiv. „Wir wollen zeigen, dass türkische Kultur mehr ist als Bauchtanz und Döner“, so Tepecik. In seinen Theaterstücken gehe es vorwiegend um kulturelle Themen, soziale und ökonomische Probleme und Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen.

„Theater von unten“: Das Stück „Die Putzfrauen“ erzählt humorvoll von Alltagsproble-men. Heller So auch bei „Die Putzfrauen“. Ayse kann nicht begreifen, wieso die heutigen Jugendlichen so stumpf sind. Warum kurt und Manuel Vicente) sie nicht arbeiten, sondern randalieren und moralisch verwerfliche Dinge tun und keiner etwas dagegen unternimmt. Renate, ihre deutsche Kollegin, sieht das etwas lockerer. Sie weiß, dass die jungen Leute das Leben genießen und ihren Spaß haben wollen.

WENDE DES GESCHEHENS: Die Wende in der Auseinandersetzung der beiden tritt ein, als die Türkin von ihrer Jugend und der eigenen Biographie erzählt. In Ayses Leben steht ein einfaches Seil nicht nur für das einzige Kinderspielzeug, das sie hatte, sondern es ist auch ein Werkzeug, um Menschen hinzurichten. Die Schauspieler präsentierten das Stück trotz ernster Hintergründe mit einer Portion Humor. Von trinkenden Jugendlichen in Deutschland bis zum Fundamentalismus im Islam hat Tepecik sowohl die unter-schiedlichen als gemeinsamen Probleme, die die verschiedenen Kulturen bewe-gen, pointiert verpackt.

  Die Putzfrauen    
         
  1. Göttingen Tageblatt / Dienstag, 27. April 1999

  2. Kleine Schritte statt großer Politik
    Von Grone (mib)

       

 

Alternatives Theater / Fünf Jahre Förderung Interkultureller Projekte

Die Unterstützung von kulturellen Austausch und friedlichem Zusammenleben unter-schiedlicher Kulturen hat sich Verein „Alternatives Theater Göttingen“ (ATG) zur Aufgabe gemacht – und das nun schon seit fünf Jahren.

„Wir glauben, dass wir mit unserer Theaterarbeit einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung leisten. Unsere Strategie ist: Kleine Schritte, keine große Politik“, erzählt Ebru Tepecik. Sie ist seit zwei Jahren Vorsitzende des Vereins Alternatives Theater Göttingen (ATG). Der Verein hat es sich Aufgabe gemacht, kulturellen Austausch und ein friedliches Zusammenleben der verschiedenen Kulturen zu fördern, aber auch jungen Türken, die in der dritten Generation in Deutschland leben, die türkische Kultur, durchaus auch kritisch, näherzubringen.

Seit genau fünf Jahren versucht die 25köpfige, aus mehreren Nationalitäten bestehende Gruppe diesen Beitrag als Verein zu leisten. Seit 1994 ist sie als eingetragener und gemein-nütziger Verein eingetragen. Am vergangenen Freitag feierte das ATG seinen fünfjährigen Geburtstag mit einem Theater- und Musikfest in der Heinrich-Heine-Schule. Doch die Geschichte des ATG reicht bis in das Jahr 1991 zurück. Damals debütierte die Gruppe mit dem Stück „Bratwurst und Cigköfte“, das zum Jubiläum noch einmal aufgeführt wurde. Es handelt von Generationskonflikten und Identitätsprob-lemen der Türken in Deutschland und setzt sich auf ironische Weise mit den Beziehungen zwischen Deutschen und Türken auseinander. Dazwischen liegen sieben weitere, von Theatergründer Ergün Tepecik-Sax geschriebene, Theater-stücke. Ihnen allen gemein ist ihre Sozialkritik. Stücke wie „Der Mann, der die Gerechtigkeit suchte“ oder „Koalition der Unvernunft“ befassen sich mit Minderheitsproblemen oder aktuellen sozio-politischen, gesellschaftlichen Problemen, „Bei allem Ernst der Themen, soll aber immer das Komödiantische und das ironische Augenzwinkern im Vordergrund stehen“, sagt Tepe-cik über die in Deutsch gespielten Stücke.

Weitere Aktivitäten des Vereins sind die Organisation von Auto-renlesungen, Vorträgen, Lyrik- und Musikabenden und Kulturtagen. Alle zwei Monate gibt das ATG die Zeitung Ekin -Zeitung für Völkerverständigung- heraus. (Darsteller'Foto-rechts': Ebru Tepecik, Taki Göcer, Ismail Ceylan, Ebru Uzunay, Eda Aydemir, Hasan Petek und Mustafa Özer) Der Verein trifft sich regelmäßig sonnabends von 15-19 Uhr im Bürgerhaus Grone in der Martin-Luther-Str.10.

       
         
  1. Göttingen Tageblatt / Dienstag, 29. März 2002

  2. Tip des Tages: Gastspiel im JT " Deutsche Bürokratie im türkischen Schlafzimmer"